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Tool 22: Präsentieren auf der Bühne I: Theater

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Bild: SenBJF

Theater spielen und präsentieren auf der Bühne – da denkt man zunächst an das Fach „Darstellendes Spiel“ und vielleicht noch an den Deutschunterricht. Die didaktische Relevanz solcher Präsentationen geht in seiner Reichweite jedoch weit über diese beiden Fächer hinaus: Die szenische Umsetzung von Unterrichtsinhalten, sei es in Form von fiktiven Dialogen, Streitgesprächen oder kleinen Szenen, eignet sich wie das Storytelling auch in vielen anderen Fachkontexten (siehe Tool 18).

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Fortsetzung Sprechen22

Deutlich komplexer sind mehrtägige Theater- oder Filmprojekte, die z.B. bei Projekttagen oder Klassenfahrten entstehen und anschließend (vor den Eltern, anderen Schülerinnen und Schülern oder dem Tag der offenen Tür) aufgeführt werden. Diese entwickeln durch die Form der Präsentation am Ende eine Dynamik, die eine deutlich bewusstere Sprachverwendung erfordert.

 

Dabei fördert jede Form einer spielerischen Herangehensweise die Sozialkompetenz und Persönlichkeitsentwicklung, zudem unterstützt und erweitert sie die sprachliche Bildung, indem sie von der Alltags- zur Bildungssprache hinführt und das bewusste Sprechen in den Fokus rückt. Damit werden wichtige Aspekte in den Blick genommen, die sonst nur eher selten in der Schule eine Rolle spielen, wie z. B. lautes, deutliches Sprechen und sorgfältige Artikulation oder Sprechen vor vielen Menschen.

 

Theater- oder Medienprojekte haben, im Gegensatz zur globalen Simulation oder dem Planspiel, eine Präsentation vor einem größeren Publikum zum Ziel.  Im Schulkontext werden sie – wenn sie nicht im Rahmen des Darstellenden Spiels stattfinden – meist fächerübergreifend und häufig mit Unterstützung durch externe Theater- oder Medienpädagogen geplant und umgesetzt.  Unterstützung für mediale Projekte bieten die in jedem Bezirk vorhandenen Medienkompetenzzentren[1].

 

Theaterpädagogische Fortbildungen für Lehrkräfte aller Fächer, Unterrichtsmaterial sowie Schülerworkshops bieten verschiedene Berliner Theater an; so bietet das Grips Theater Fortbildungen zu allen im Rahmenplan verankerten übergreifenden Themen[2]. Eine umfangreiche Informationsquelle für Übungen, Anregungen für Theaterprojekte etc. finden sich auf der Seite Theater in der Schule.

 

Um ein konkretes Beispiel zu geben, ist im Folgenden eine Umsetzung am Ernst-Abbe-Gymnasium in Berlin dargestellt:

Innerhalb von vier Tagen erarbeiten die 90-120 Schülerinnen und Schüler des ganzen 9. Jahrgangs ein Theaterstück mit Kulissen und Musik und bringen es vor der Schule, den Eltern und am Tag der offenen Tür zur Aufführung. Durch die Nähe zum Tag der offenen Tür erfolgt dies meist im Januar in der Woche nach dem Notenschluss des 1. Halbjahrs.

Federführend sind im Jahreswechsel die Fächer Latein und Deutsch verantwortlich. In mehreren Vorbereitungssitzungen wählen die beteiligten Lehrkräfte des Fachbereichs in Zusammenarbeit mit Darstellendem Spiel, Musik und Kunst (etwa 10, sodass die ca. 10 Schülergruppen am Ende aus etwa 10 Personen + einer Lehrkraft bestehen) den stofflichen Schwerpunkt (Liebesgeschichten bei Ovid, Heldengeschichten, Balladen, Aeneas – ein Flüchtling als Begründer Roms, Märchen, Schelmengeschichten aus verschiedenen Kulturen…) sowie die Textgrundlagen aus, aus denen die Schülerinnen und Schüler dann in ihren Gruppen die endgültigen Texte improvisierend erarbeiten und anschließend einüben.

 

Meist besteht ein Stück aus drei in sich geschlossenen Episoden/Einzelgeschichten, die durch eine Rahmenhandlung zu einem großen Stück zusammengefügt werden (Figuren in einem Museum erwachen und erzählen ihre Geschichte; Antike Götter suchen in einem Casting den größten Held, Aeneas erzählt rückblickend, was er alles auf seiner Flucht erlebt hat…). Zudem erhalten die Lehrkräfte von den DS-Lehrkräften zahlreiche Hinweise und Tipps.

Zusätzlich zu den vier oder fünf Theatergruppen gibt es meist noch eine Requisitengruppe, die kleinere Kulissen und Requisiten auf Wunsch der Theatergruppen herstellt, eine oder zwei Musikgruppen, die an mehreren Stellen Musikstücke spielen oder Lieder präsentieren, die sie auf die Melodien bekannter aktueller Lieder umgetextet haben. Zudem gibt es noch eine Doku-Gruppe, die das Programmheft mit Begleittexten, die Texte für die Homepage und die Werbeplakate erstellt. Die Schülerinnen und Schüler können sich nach ihren Vorlieben im Vorfeld für die Gruppen eintragen, die letztendliche Einteilung erfolgt unter Einbezug der Klassenlehrkräfte, um eine ausgewogene Zusammensetzung der Gruppen zu gewährleisten.

Der Ablauf des Projekts ist in der folgenden Abbildung dargestellt:

 

 

Ein zentraler Gelingensfaktor der Aufführungen ist der hohe Zeitdruck im Wissen um die bevorstehende Aufführung. Denn am ersten Tag werden nach der Lektüre eines allgemeinen Einführungstexts zum Thema und der Textvorlagen für die Szenen die Texte entwickelt, am zweiten Tag die Szenen fertiggestellt und geprobt, am dritten Tag erfolgen 1. Gesamtdurchlauf aller Gruppen sowie Generalprobe und am 4. Tag dann schon die Aufführungen. Dies führt dazu, dass Motivationstiefs oder Unlust bei Einzelnen meist positiv verlaufen. Ein weiteres Grundprinzip ist das der selbst entwickelten Texte. Dadurch werden die literarischen Inhalte in die Sprache der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler übertragen, wodurch die Motivation der Beteiligten und auch die Authentizität der Darstellung gewinnt. Nicht zuletzt bedarf es trotzdem einer großen Motivation und Energieleistung der beteiligten Lehrkräfte, die aber zumeist durch die dynamische und positive Entwicklung der am Projekt beteiligten Schülerinnen und Schüler belohnt werden.

 

Literatur:

 

Links:

 

 

 


[1] https://jugendnetz.berlin/jn/00_Medienkompetenzzentren/

[2] Beispiel: https://www.grips-theater.de/de/theaterpaedagogik/Multiplikatorinnen