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Tool 30: Schreiben unterstützen I: Scaffolding durch Methodenwerkzeuge und Textgerüste

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Bild: SenBJF

Durch Textmuster und Textbausteine, die den Schülerinnen und Schülern im Sinne des Scaffolding-Ansatzes nach Gibbons (siehe Allgemeine Grundlagen) für die Phase des Schreibens zur Verfügung gestellt werden, erhalten sie sinnvolle und effiziente Unterstützung im Schreibprozess. Diese ergänzen die in den vorangegangenen Tools vorgestellten Schreibstrategietrainings „Schreiben als Prozess“ (siehe Tool 27), Schreibstrategietraining nach Graham/Harris (siehe Tool 28) und die Genredidaktik (siehe Tool 29).

 

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Fortsetzung Schreiben30

Für einen guten Text benötigen die Schülerinnen und Schüler:

  • das Wissen um die geforderte Textsorte
  • den entsprechenden thematischen Wortschatz
  • sprachliche Strukturen, um z.B. eine zeitliche Abfolge oder einen Ursache-Wirkungs-Mechanismus darstellen zu können

 

Wenn eine Schreibaufgabe geplant wird, sollten diese drei Aspekte immer mit bedacht werden.

 

Als einfache Form der  Unterstützung kann der thematische Wortschatz gemeinsam an der Tafel gesammelt und strukturiert werden. Anregungen dafür finden sich in Tool 27 – Schreibstrategien trainieren I.

 

Die Schülerinnen und Schüler können aber auch Arbeitsblätter mit sprachlichen Hilfen, z.B. in Form von Textbausteinen und Textmustern, erhalten. Hierfür eignen sich viele der Methodenwerkzeuge nach Leisen[1]:

 

Methodenwerkzeug

Arbeitsauftrag

Didaktische Hinweise

 Methodenwerkzeug:  

 Wortgeländer[2]

 

 Beschreibe den Versuch möglichst genau,

 indem Du alle Wörter im grauen Kasten zu

 Sätzen verbindest.

 Schreibe zu jedem Arbeitsschritt

 mindestens zwei Sätze in sachlicher

 Sprache auf die Linien. Verwende

 Fachbegriffe. Formuliere unpersönlich (es

 wird.../ man...).

 

 Ein Beipiel aus dem Physik-

 Unterricht befindet sich unten

 als Download.

 

 Ein Wortgeländer enthält als

 Grundgerüst die zur Formulierung des

 fachlich korrekten Satzes notwendigen

 Begriffe, unflektiert (in der Grundform).

 Je nach Schwierigkeitsgrad können sie

 zur Differenzierung in sinnvoller oder

 ungeordneter Reihenfolge angegeben

 werden. Dieses Werkzeug eignet sich

 besonders für kurze, stark formalisierte

 Texte wie Definitionen,

 (naturwissenschaftliche) Regeln etc.

 Methodenwerkzeug: 

 Satzmuster[3]

 Formuliere einen korrekten Merksatz zur

 Reaktion von Metallen beim Verbrennen

 nach dem vorgegebenen Schema.

 

 Ein Beipielwerkzeug zu

 dieser Aufgabe befindet sich

 unten als Download.

 Sammlung beispielhafter,

 standardisierter fachsprachlicher Sätze.

 

 

 

 Methodenwerkzeug:

 Textpuzzle[4]

 Ordne die gegebenen Satzhälften/Teilsätze

 /Sätze und fasse damit das Thema (der

 letzten Stunde) schriftlich zusammen.

 Jeder beliebige Text kann auf diese  

 Weise konstruiert werden, indem er (je

 nach Länge und Funktion) in Textteile,

 Sätze oder Teilsätze zerschnitten bzw.

 in veränderter Reihenfolge zur 

 Verfügung gestellt wird.

 Dabei üben die Schreibenden typische

 Textsorten, Formulierungen und wälzen 

 fachliche Inhalte um.

 Ein Schreibstrategietraining, bei dem

 dieses Werkzeug gut angewendet

 werden kann, ist die Genredidaktik (siehe Tool 28)

Textpuzzle

 können aber auch beim Generativen

 Schreiben genutzt werden (siehe Tool

 33)

 Methodenwerkzeug:

 Satzbaukasten[5]

 (Blockdiagramm)

 Beschreibe den Versuch und verwende

 dafür die Wörter in den Kästen.

 

 Beschreibe den Verlauf des Flusses XY

 mithilfe der Wörter aus den Kästen.

 

 

 Ein Beipielwerkzeug für diese

 Aufgabe

 befindet sich unten

 als Download.

 Aus Auswahlkästen werden die

 richtigen Formulierungen ausgesucht.

 Diese Kästen sind in der richtigen

 Satzordnung angeordnet.

 Diese sehr eng geführte Form der

 Textproduktion eignet sich sehr gut für 

 stark formalisierte, sich wiederholende

 Satzmuster wie in Beschreibungen (von

 Abläufen), Regeln, Definitionen…

 

 Der Schwierigkeitsgrad kann dadurch

 erhöht werden, dass die Elemente

 innerhalb der Kästen in ungeordneter

 Abfolge stehen.

 Methodenwerkzeug:

 Bildsequenz[6]

  Filmleiste[7]

 Beschreibe den Versuch und verwende

 dafür die Abbildungen in der

 Bildsequenz/Filmleiste daneben.

 Bildsequenzen veranschaulichen

 Abläufe, im Falle der Filmleiste

 ausschließlich chronologische Abfolgen.

 Durch die bildliche Darstellung wird der

 Schreibprozess entlastet. Zusätzlich

 können in/unter den Bildern

 Formulierungshilfen gegeben werden.

 Alternativ können die Lernenden auch

 zunächst selbst die Bildfolge

 zeichnen/erstellen und anschließend

 den Text dazu produzieren.

 Methodenwerkzeug:

 Struktur-/

 Flussdiagramm[8]

 Beschreibe schriftlich den Kreislauf des

 Wassers und nutze dafür die Abfolge im

 Flussdiagramm.

 Solche Diagramme sind lineare

 grafische Darstellungen mit Pfeilen als

 Veranschaulichung von

 Zusammenhängen oder Abläufen.

 Zusätzlich können die einzelnen Teile

 des Diagramms mit Formulierungshilfen

 angereichert werden. Der

 Schwierigkeitsgrad kann durch die

 Anzahl und Reihenfolge der

 Formulierungshilfen verändert werden.

 

Eine gute Unterstützung beim Schreiben bieten außerdem strukturierte Textgerüste[9] im Sinne des Scaffoldings nach Gibbons (siehe Allgemeine Grundlagen), die die Lehrkraft zu Schreibaufgaben des Unterrichts erstellt; hier erhalten die Schülerinnen und Schüler sowohl Unterstützung für die Gliederung des Textes als auch für die Ausformulierung und erwerben damit ebenfalls ein Wissen um Textsorten. Entscheidend für die Qualität der Musterformulierungen ist dabei, dass die Lehrkraft die erwartete Leistung vorher einmal selbst produziert und aus dem eigenen Produkt die Musterformulierungen generiert. Diese Formulierungen werden von den Lernenden deutlich mehr und besser genutzt. 

Neugebauer/ Nodari (2012) geben dazu ein praktikables Raster vor (s.u.). Für die Erstellung sind die folgenden Schritte erforderlich:

 

Im Sinne des Scaffoldings sollten die sprachlichen Gerüste nach mehrfacher Verwendung immer mehr reduziert werden, sodass sie von den Schülerinnen und Schülern zunehmend eigenständig verwendet werden können. Außerdem kann eine Differenzierung dadurch erfolgen, dass mehr oder weniger offene oder auch mehr Formulierungen zur Auswahl gestellt werden (Achtung: Dies können nur leistungsstärkere Schüler*innen sinnvoll nutzen – je schwächer die Lernenden, desto einfacher muss die Auswahl der vorgegebenen Formulierungen sein).

Auch für sehr komplexe Textformate können bis in die Oberstufe Textgerüste besonders für die Schreibplanung sinnvoll eingesetzt werden, in denen der gesamte Text als Gerüst vorentlastet ist. Hier ein Beispiel für das Klausurformat „Gedichtanalyse“: 

 

Bildquelle: SenBJF/Paffrath

 

Bei der Korrektur derartig entstandener Texte ist auch das Augenmerk darauf zu legen, ob die vorgegebenen Formulierungen korrekt verwendet wurden. An manchen Schulen fließt die Verwendung bereitgestellter Formulierungshilfen sogar in die Bewertung ein. Dies führt gleichzeitig dazu, dass die Schülerinnen und Schüler den Schreibauftrag und die Musterformulierungen ernst nehmen.

 

Literatur:

  • Leisen, Josef, Handbuch Sprachförderung im Fach, Stuttgart 2013
  • Neugebauer, Claudia /Nodar, Claudio i (2012), Förderung der Schulsprache in allen Fächern, Bern.2012, S. 69 ff.

 

Links

 

 


[1] Leisen, Josef (2013), Handbuch Sprachförderung im Fach, Stuttgart 2013, S. 14ff

[2] ebd. Methodenwerkzeug Nr. 2, S. 14

[3] ebd., Methodenwerkzeug 14, S. 38

[4] ebd. Methodenwerkzeug Nr. 6, S. 22

[5] ebd., Methodenwerkzeug 13, S. 36

[6] ebd., Methodenwerkzeug 7, S. 24

[7] ebd. Methodenwerkzeug 8, S. 26

[8] ebd. Methodenwerkzeug 19, S. 48

[9] Siehe dazu auch Abschnitt „Sprechen“, der diese Methode zur Unterstützung strukturierter Redebeiträge vorstellt