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Tool 26: Schreibanlässe und -routinen schaffen – bewusst Schreiben in jedem Fach

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Bild: SenBJF

Schreiben lernt man nur durch Schreiben. Zeit und Übung sind die Voraussetzung dafür, dass Schülerinnen und Schüler die Kompetenz entwickeln, Texte flüssig, korrekt und den fachlichen Anforderungen entsprechend zu formulieren. Deshalb ist es wichtig, im Unterricht aller Fächer häufig zu schreiben – sei es durch kurze und vielfältige Teilaufgaben oder durch motivierende persönliche oder kreative Texte.

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Fortsetzung Schreiben26

Leider wird das große Potenzial von vielfältigen Schreibanlässen auch für das fachliche Lernen oftmals noch zu wenig genutzt. So wird, wie schon in der Einleitung des Komptenzbereichs erwähnt, in einer gewöhnlichen Geschichtsstunde gerade einmal vier Minuten, in einer Biologiestunde sechs Minuten geschrieben.[1]

 

Dabei ist der Fundus der möglichen Schreibformen aufgrund der unterschiedlichen, in den Fächern etablierten Fachtexte sehr groß. Sie unterscheiden sich neben dem Schreibziel auch bei der kognitiven und emotionalen Aktivierung. So macht es einen Unterschied, ob jemand einen Tafelanschrieb in den Hefter übernimmt, in einer fiktiven Mail an einen kranken Mitschüler die wichtigsten Inhalte erklärt oder einen Text für ein Infoblatt oder Referat zu dem Thema entwirft.

Hier können die Lehrkräfte den Gewinn des Schreibens für den fachlichen Kompetenzerwerb deutlich erhöhen, wenn sie die unterschiedlichen Möglichkeiten der verschiedenen Schreibanlässe bewusst nutzen und mit den Schülerinnen und Schülern reflektieren.

 

Durch einen gezielt durchdachten, abwechslungsreichen Einsatz möglichst vieler der folgenden Schreibaktivitäten (gerne auch kooperativ durch mehrere Personen gemeinsam) können Lehrkräfte die Lernenden dabei unterstützen, sowohl Schreibroutine zu entwickeln als auch die fachlichen Inhalte auf vielfältige Weise vertieft zu verarbeiten und dadurch besser im Gedächtnis zu verankern.

Nicht zuletzt gehört die Produktion fachlich korrekter Formulierungen ja auch zum Anspruch an fachlichen Kompetenzerwerb (scientific literacy), wie er in gesellschaftlichen Kontexten, aber eben auch in schriftlichen Leistungsüberprüfungen abgefragt wird.

 

Drei Formen von Schreibaktivitäten[2]

Schreibaktivitäten

Beispiele

Didaktische Hinweise

 dokumentarisch

 (wiedergebend)

  • ein Tafelbild übertragen
  • eine Liste erstellen
  • eine Grafik beschriften
  • Notizen zu einem Versuch machen
  • Hauptgedanken aus einem Text notieren
  • im Unterricht eine Mitschrift anfertigen

 Die Verschriftlichung sollte 

 so erfolgen, dass die

 Schreibenden sie für

 späteres Lernen nutzen

 können. Dafür müssen sie

 die Inhalte auch verstanden

 haben.

 kommunikativ

 (situierte Weitergabe)

  • eine Kurznachricht verfassen
  • eine E-Mail/einen Brief zum Thema verfassen
  • einen Dialog zum Thema verfassen
  • einen Text für ein Erklärvideo erstellen
  • ein (Lern-)Plakat gestalten
  • Präsentationsfolien erstellen
  • einen Wiki-Eintrag schreiben
  • eine Internetseite gestalten
  • ein Versuchsprotokoll anfertigen

 Das Schreiben für 

 authentische Adressaten ist

 besonders lernförderlich.

 Denn es erfordert einerseits

 das eigene Durchdringen

 der Inhalte und zum anderen

 die Umformulierung

 entsprechend des

 kommunikativen Ziels sowie

 der Zielgruppe. Zudem

 erhöht diese Situierung des

 Schreibsettings die

 Motivation (siehe auch Tool 18

 –„Mündlich erzählen“ und

 Tool 24 „Gute

 Schreibaufgaben

 formulieren“).

 epistemisch

 (problemorientierte

 Auseinandersetzung)

  • Fragen/Hypothesen/mögliche Fortsetzung (des Texts, Films…) schriftlich ausformulieren
  • eine Stellungnahme schreiben
  • einen Essay schreiben
  • Inhalte in eine neue Textsorte übertragen (Nachricht, Tagebucheintrag, Erzählender Text, Comic, Lapbook)
  • ein Diagramm auswerten
  • den Aufbau eines Gemäldes/einer Karikatur/eines Bildes analysieren
  • den Lösungsweg zu einer Rechenaufgabe beschreiben
  • eine (politische) Rede/eine Geschichte/eine historische Quelle analysieren

 Hier geht es um die

 Gewinnung von

 Erkenntnissen und 

 Generierung von neuem

 Wissen. Durch die Nutzung

 der Sprache der Distanz

 sind eine größere Präzision,

 eine  Neustrukturierung und

 ein vertieftes Durchdringen

 der fachlichen Inhalte

 notwendig. Kleinere Formen

 können zwischendurch im

 Unterricht erstellt, größere

 auch mit helfenden 

 Strukturen versehen werden

 (siehe Tool 30 und Tool 31).

 

Wie die Schreibenden konkret bei der Realisierung einzelner anspruchsvoller Schreibaktivitäten und fachspezifischen Textsorten unterstützt werden, stellen die Instrumente aus den nachfolgenden Tools 27, 28, 29, 30 und 31 ausführlich dar.

 

Literatur:

  • Lindauer, T. et al., Sprachbewusst unterrichten. Eine Unterrichtshilfe für den Fachunterricht, Aarau: Bildungsraum Nordwestschweiz 2013
  • Thürmann, E./Pertzel, E./ Schütte, A. (2015), der schlafende Riese  - Versuch eines Weckrufs zum Schreiben im Fachunterricht. In: Schmölzer-Eibinger, S./Thürmann, E. Schreiben als Medium des Lernens. Kompetenzentwicklung durch Schreiben im Fachunterricht, Münster 2015

 


[1] Thürmann, E./Pertzel, E./ Schütte, A. (2015), der schlafende Riese  - Versuch eines Weckrufs zum Schreiben im Fachunterricht. In: Schmölzer-Eibinger, S./Thürmann, E. (2015) Schreiben als Medium des Lernens. Kompetenzentwicklung durch Schreiben im Fachunterricht, S.18

[2] Lindauer, T. et al. (2013). Sprachbewusst unterrichten. Eine Unterrichtshilfe für den Fachunterricht. S. 15